Sonntag, 31. Mai 2009

Monatsrückblick: Mai

Der Mai gehört dem Kalender nach zwar noch zum Frühling, doch zumindest hier rückt einem der Sommer bedrohlich auf die Pelle und erinnert daran, dass für unser Großprojekt nicht unendlich viel Zeit zur Verfügung steht. Dabei kann man nicht sagten, dass wir keine Fortschritte machten. Wir hatten diesen Monat zwar neben den üblichen Enttäuschungen durchaus ein paar Extreme - so einen untragbar schweren wie einen unverträglich süßen und einen unerträglich schlechten Tropfen - aber eben auch ein, zwei Flaschen, die wirklich ins Raster fallen.
Besonders gefallen hat mir dabei der "Vipra Rosa" (2/8/1/11:21.26), der nicht nur mit ansehnlicher Flasche betört, sondern auch ein wirklich frischer, bodenständiger Wein ist, der mit seinen 3.45€ einen noch finanzierbaren Begleiter für alle Lebenslagen darstellt.
Ebenfalls eine positive Überraschung war der "Châteu de La Puède" (1/7/3:11:20.95) von "Rossmann", vielleicht ein wenig zu leicht und mit einer Whiskynase, aber doch ein anständiger Wein, den man von einer Bande, die eigentlich Pflegecremen, Tampons und Teelichte verkauft, gar nicht erwartet hätte.
Etwas abseits unserer ursprünglichen Fragestellung haben wir ferner mit "Kilkenny" (0/8/2/9:31.75) einen echten Freund für den Morgen danach gefunden, wenn wir durstig sind, aber noch keinen Rosé mögen würden.

Nun gut. Diesen Monat fehlt mir allerdings eines: Warum - zur Hölle - sollte ich den Tag mit Rosé verbringen, anstelle möglichst weit zu schlafen und abends den Whisky auszupacken. Holistisch gesehen scheint mir das die offensichtlich vernünftigere Alternative. Vielleicht sollte man darüber nochmal in Ruhe nachdenken ... aber wie sagte gleich der Zen-Meister: Man wird sehen...

Dienstag, 26. Mai 2009

Lagaria, 2008 (Italien, Pinot Grigio)

%Vol: 12,0
Preis (je 0,75l): 3.95 (Hol'ab)
Tastingtermin: 26.05.
Tastingmaster: Marian, Sebastian


Nase: Die Nase ist unbeeindruckend, man schmeckt den Alkohol, aber in keiner phenolischen Weise. Es riecht beinahe ... nein, ich will mich nicht verzetteln ... nun, dennoch ... es riecht beinahe ... nein, ich will nicht voreingenommen wirken (ich beurteile doch nichts nach der Farbe seines Körpers!!) ... nun, doch ... Es riecht nach Weißwein! (1)

Körper: Hail, Weißwein, ich wusste schon immer, dass du im Herzen farblos bist, gleich wie multikulti du dich auch im trügerischen Bild des Augenscheins gibst. Friss meine Shorts, rasier' mir die Eier, der Rosé ist tot, Jim ... wir können und wir dürfen nicht unterstützen, dass ein paar Idioten jeden blöden Weißwein aufgrund einer unter hundert unrasierter Trauben als Rosé verkaufen. Verdammte Idioten, dieser Wein gilt nicht! Der wird weder ein Sommerrosé, noch ein Herbstrosé, noch der Nektar, der aus expliziten Regionen eurer Sexualpartner zu schlabbern ist. Es ist, jessesmaria, kein Rosé! (4)

Abgang: War Weißwein je ob seines Abgangs bekannt? Ich spare mir weitere Flüche... (1)

Fazit: Abseits meines gewagten, wissenschaftlichen Projektes zu den Alternativen zum Rosé stellt sich einem hin und wieder die Frage, ob man eigentlich gerade das Richtige trinkt. Der "Lagaria" ist dafür ein Beispiel erster Güte. Man sitzt da und fragt sich: WAS ZUR HÖLLE??? Nun ehrlich: Der "Lagaria" ist kein schlechter Wein, aber er ist jessesmotherfuckernochmal kein Rosé!
Sie kennen doch diese Flaschen voll des klebrig-farbigen Zeugs, welches man gemeinhin Sirup nennt. Nehmen Sie einen halbwegs vernünftigen Grauburgunder und machen Sie (nur der Farbe wegen) einen Tropfen davon in diese Flasche und Sie sind zufrieden: Bleiches Rosa mit minimalem geschmacklichen Unterschied zu seinem unbefleckten, weißen Bruder ... gut, das mag rassistisch klingen. Aber: Wenn Sie das wollen, kaufen Sie verdammtnochmal keinen Rosé! (5)

Snobfaktor: 13.33

Prollfaktor: 24.00

Sonntag, 24. Mai 2009

Marqués de García, 2007 (Spanien, Tempranillo / Garnacha)

%Vol: 13,0
Preis (je 0,75l): 2.50 (Rossmann)
Tastingtermin: 24.05.
Tastingmaster: Marian, Sebastian


Nase: Kräftige Himbeernote, getragen von spürbarem Alkohol. Leicht bittere Süße, schön rund. (2)

Körper: Der recht hohe Alkoholanteil schlägt sich deutlich im Geschmack nieder. Von der Süße der Nase bleibt fast nichts über; es ist ein trockener, herber Rosé. Für maßlosen Konsum daher nicht geeignet, ist er eher zum Schlürfen an besinnlichen Herbstnachmittagen oder aber auch zu kräftigem Salat (bspw. griechisch), mit dem die Essignote (nicht negativ gemeint) sicher harmonieren würde. Sebastian legt ferner Pizza nahe ... weil das im Grunde salatähnlich sei ... mit Brot und viel drauf ... wie Salat halt. (7)

Abgang: Die Herbe kommt hier ganz deutlich zum Vorschein. Das versaut dabei das Aroma nicht, wenngleich die restlichen Geschmacksrichtungen recht schnell verschwinden. (1)

Fazit: Dem Anspruch an einen Sommerrosé gereicht der "Marqués de García" ob seiner Herbe nicht, obschon er an sich kein schwerer Wein ist. Deswegen schlagen wir ihn als passende Darreichung für nicht allzu leichte Sommerspeisen vor ... Salat und ... Pizza. (10)

Snobfaktor: 26.67

Prollfaktor: 26.00

Dienstag, 19. Mai 2009

Cimarosa, halbtrocken, 2008 (U.S.A., Zinfandel)

%Vol: 10,5
Preis (je 0,75l): 1.99 (LIDL)
Tastingtermin: 19.05.
Tastingmaster: Marian, Sebastian


Nase: Eine überkandierte Trockenfrucht, pervertiert zu einem Maße, welches die Natur niemals hätte erreichen können, steht hier im Vordergrund ... genauer: Gummibärchen! (1)

Körper: Der Geschmack enttäuscht die Erwartungen der Nase nicht. Vor allem ist der "Cimarosa" süß. Dabei ist er weder schwer, noch wässrig, noch sauer, noch bitter. Er ist einfach nur süß. Ausgeschrieben ist er zwar als halbtrocken, doch wenn das halbtrocken ist, dann muss die liebliche Variante davon ein Spektrum der Süße-Empfindung abdecken, für welches menschliche Geschmacksknospen überhaupt nicht ausgelegt sind. Und neben seiner Süße gibt es auch keine anderen konkreten Aromen als ... Gummibärchen! (3)

Abgang: Der Abgang ist nicht gut, nicht schlecht und Sebastian hat sicherlich recht, wenn er darauf besteht, dass wir den Abgang relativ zum Körper bewerten sollten. Daher bekommt er seine zwei Punkte, die freilich nicht zu vergleichen sind mit den zwei Punkten eines "Malumbres", aber dem eigenen Körper nicht wirklich abträglich ist. (Man versuche mal einen Rosé zu imaginieren, der den Körper des "Cimarosa" hat, aber den Abgang eines "Châteu de La Puède" aufweist. Ich meine, das wäre wirklich gegen die Natur; ein echter Krüppelwein!)
Geschmacklich kommt hier im Ausklingen der spürbare Geschmack von Pappe hervor. Anschließend an Nase und Körper ist ganz klar, womit der "Cimarosa" am ehesten zu vergleichen ist: Esspapier! (2)

Fazit: Aufgrund seines ausgesprochen günstigen Preises hält der "Cimarosa" bei Snob- und Prollfaktor durchaus die Waage. Das sollte freilich eigentlich Zeichen dafür sein, dass er einen guten Kandidaten für den Sommerrosé abgiebt. Aber trotz Weltwirtschaftskrise, Lohnausfall und einen sprunghaften Anstieg der Tarife im Rotlichtmilieu muss man doch nicht alles trinken. Gut, man könnte sicher eine ordentliche Bowle daraus machen oder mit dem Gedanken spielen, einen Blend aus dem "Cimarosa" und dem gefürcheten "Francoius Dulac" vorzunehmen und zu schauen, was dabei rauskommt, aber zum Trinken ist dieser Tropfen nicht wirklich zu empfehlen.
Kommende Woche bringt "ALDI" übrigens den "Long Wood Zinfandel Rosé" heraus, die direkte Konkurrenz zum "Cimarosa" (beides die jeweiligen Hausmarken), sogar noch 20 Cent günstiger. Ich bin aber versucht, auch wenn das phänomenale Snob- und Prollfaktoren ermöglichen könnte, diesen Kelch an mir vorbeigehen zu lassen. (6)

Snobfaktor: 20.10

Prollfaktor: 26.38

Mittwoch, 13. Mai 2009

bree Rosé, 2007 (Rheinhessen, Pinot Noir)

%Vol: 12,0
Preis (je 0,75l): 3.99 (REWE)
Tastingtermin: 13.05.
Tastingmaster: Marian

Nase: Auch auf die Gefahr, mich in meiner Wortwahl zu wiederholen: Kaum vorhanden. (0)

Körper: Nun, der "bree" hat einen relativ schweren Geschmack, tendierend zu den Aromen von Johannesbeeren und Zitrone. Das Ganze ist allerdings unterlegt mit einer spürbar bitteren Note und die Säure ist in der Kombination dazu ausgesprochen unangenehm. Nein, das ist kein schöner Rosé, weder für den Sommer noch für dessen Nächte, noch für den Herbst oder Frühling oder jedwede denkbare interstellare Jahreszeit. Zur Ehrenrettung muss man ihm zugute halten, dass er zumindest ein gewisses Aroma hat, also nicht wässrig ist, dieses aber geschickt hinter einer Wand von saurer Bitterkeit zu verstecken weiß. (4)

Abgang: Über den Abgang mag ich eigentlich nicht viele Worte verlieren. Wie die meisten aromatischen Krüppel setzt sich beim "bree" im Abgang nur eine Bitterkeit fort, die gottseidank nicht zu langanhaltend ist. (0)

Fazit: Nun, entgegen einiger wesentlich talentierterer, erfahrenerer und kundigerer Weintrinker als mir, bin ich ein großer Freund von Drehverschlüssen an Weinflaschen (spätestens seit ich meinen letzten Korkenzieher mitsamt meinem Tabak und vermutlich meiner analen Unschuld - nennen wir es: nicht mehr ganz nüchtern - auf dem Heimweg von einer Feierlichkeit verloren habe). Ich bin auch ein Freund schöner Flaschen, in der selben Weise ich ein Freund schöner Frauen bin. Wenn sie sich einem schon öffnen, dann ist das Letzte, was man will, dass man vor lauter Enttäuschung dabei an all die wesentlich weniger schönen, aber wesentlich besseren denken muss. Ich neige daher dazu, für den "bree Rosé" eine neues Label (zu meiner Zeit nannte man sowas eine "Kategorie" ... naja) einzuführen: Die der "Enttäuschung des Jahres"!
Ich meine, was denken sich die Rheinhessen bitte? Packen ihren übelsten Fusel in eine schöne Flasche, verlassen sich auf einen halbwegs guten Ruf als Weinbauern und glauben, der Rest der Republik geht dem auf den Leim?? Für eine Bande von Barbaren, die nicht richtig geradeaus Deutsch sprechen können, ist das zugegebenermaßen ein ausgesprochen ausgeklügelter Plan... Und ja, vielleicht nicht der Rest der Republik, aber Trottel wie ich.
Wieauchimmer. Da ich trotz allem immer noch von der Flasche angetan bin, möchte ich dennoch eine Empfehlung aussprechen: Wenn Sie eine schöne Bar haben, hinter Glas, getaucht in güldenes Licht, die einen mit einem eigenen, handgestrickten Deckchen unterlegten "Black Bowmore" von 1964 und einen noch im Originaltonkrug befindlichen, von professionellen Abenteurertauchern geborgenen Wein aus der Zeit des späten Hellenismus enthält, und wenn Sie trockener Alkoholiker oder Antialkoholiker aus Überzeugung sind und mit dieser Bar nur Ihre Freunde beeindrucken oder Ihre ästhetischen Bedürfnisse befriedigen wollen, dann und nur dann kaufen Sie sich den "bree Rosé". (4)

Snobfaktor: 6.68

Prollfaktor: 15.04

Samstag, 9. Mai 2009

Vipra Rosa (Italien, Montepulciano)

%Vol: 12,5
Preis (je 0,75l): 3.45 (REWE)
Tastingtermin: 09.05.
Tastingmaster: Marian, Sebastian

Nase: Eine schöne, blumige Nase, die sich leicht mit Rosenblüten assoziieren lässt. (2)

Körper: Der erste Eindruck ist die markante Spritzigkeit, der deutliche Geschmack von Kohlensäure, der einen leichten, frischen Wein vermuten lässt. Dann macht der "Vipra" aber eine ganz hervorragende Kurve und offenbart einen markanten, nicht so sehr kräftigen als vielmehr zentrierten und charakteristischen Geschmack. Er ist weder wässrig, noch schwer, genaugenommen sind wir der Meinung hier zum ersten Mal ein wirklich ausgewogenes Verhältnis dieser beiden Richtungen zu haben, ohne einfach auf der blanken Mitte stehenzubleiben. Hier werden die Extreme miteinander verwoben, nicht gemieden. Hier bleibt man nicht einseitig hängen, sondern hat einen Rosé, der wirklich die Bezeichnung "rund" verdient hat. Ein Kleinwenig bleibt bei Ausgewogenheit die Vielfalt des Aromas auf der Strecke, ansonsten ein durch und durch empfehlenswerter Tropfen. (8)

Abgang: Leider vollendet der Abgang den "Vipra" nicht so recht. Er ist relativ kurz und setzt dem Gechmack nichts Neues hinzu. Ganz am Ende kommt eine ganz leichte Säure auf, aber jenseits allen bedenklichen Maßes. (1)

Fazit: Holla, hier haben wir mal wieder einen Kandidaten für den Sommerrosé. Der Angebotspreis von 3.00 hat mich gleich veranlasst, noch ein paar Flaschen nachzukaufen. Der Alltagspreis von 3.45 gefährdet die Stellung als Alltagsrosé geringfügig. Aber man kann ihn rundum empfehlen, für den Nachmittag am Strand oder auf dem Balkon, sowie zum Grillen oder Salatieren. Daumenhoch für die Nasen aus dem Süden. (11)

Snobfaktor: 21.26

Prollfaktor: 18.12

Freitag, 8. Mai 2009

Kilkenny (Irland, Red Ale)

%Vol: 4,2
Preis (je 0,75l): 1.89 (REWE)
Tastingtermin: 08.05.
Tastingmaster: Marian


Alternativen zum Rosé

Nase: Sieht man diese einladende, dunkelrote, leicht bronzene Farbe, die trotz des leichten Schaumes auf dem Kopf äußerlich das entscheidendeste Merkmal ist, freut man sich auf das Urteil des nächsten Sinnesorganes. Das ist aber weniger beeindruckt. Die Nase hat ein spürbar malziges Aroma, mehr auch nicht; nichts, was man irgendwie mit Sommer assoziieren würde. (0)

Körper: Spürbar prickelnd und dennoch von robuster Gestalt ist "Kilkenny" ein hervorragend erfrischendes Getränk. Man fühlt sich nicht so leer, wie wenn man sich mit Wasser den Durst löscht, und nicht so durstig, wie wenn man ... nun ... naja, man fühlt sich königlich entdürstet. Nein, jetzt habe ich doch noch was: Es schlägt einen nicht so nieder wie ein "Guinness", nach dem man sich ob der Schwere und Süße immer noch den Durst löschen muss ... mit einem "Kilkenny" beispielsweise. Im Mund behalten und etwas herumgewälzt spürt man etwas wie eine entfernte Weinbrandnote, mit der eine leichte Holzigkeit mitschwingt. (8)

Abgang: Hintenraus ist "Kilkenny" sehr präsent. Es hinterlässt einen leicht bitteren, im Vergleich zu Rosé schweren Geschmack im Mund, dem in den letzten Noten wieder Malzigkeit anhaftet. Das ist nicht zu verurteilen, wertet aber den doch sehr angenehmen Körper nicht weiter auf. (1)

Fazit: Was ich am "Kilkenny" mag, ist, dass es einen meiner Ansprüche zur Perfektion erfüllt: Man kann es den ganzen Tag trinken, ohne ihm überdrüssig zu werden. Das muss man auch, schließlich braucht man die dreifache Menge Ale, um im selben Umfang Alkohol konsumiert zu haben wie bei einem Rosé. Außerdem mag ich, dass es einen nicht mit diesem auf Weinflaschen mittlerweile allgegenwärtigen diskreminierenden Symbol für "Nixfürschwangere" belästigt, sondern höflich darauf hinweist, verantwortungsvoll zu trinken. Man kann am nächsten Tag, wenn man die Pfandflaschen in der Wohnung oder im Garten zusammensucht und sich darüber freut, am Ende noch Geld herauszubekommen, weil man trinkt, sich problemlos ein neues aufmachen ohne dass einem schlecht wird: Es ist ein hervorragender Frühstücksdrink (ich empfehle zu einem kräftigen irischen oder englischen Frühstück ... oder einfach einem Steak!) - und da habe ich auch die Fachmeinung von Oz Clarke hinter mir. Das vermögen wenige Rosé.
Allerdings hat "Kilkenny" auch eine böse Schattenseite und die zeigt sich nicht zuletzt in dem erbärmlichen Prollfaktor. Es ist die Schattenseite, die wohl so ziemlich allen Bieren anhaftet.
Denn mal ehrlich: natürlich geht es uns um den Geschmack - sonst müssten wir hier ja gar nicht rumrezensieren - aber geht es uns nur um den Geschmack? Schwerlich, sonst würden wir wie die echten Kenner ja den Wein wieder ausspucken.
Und natürlich: Wir wollen unseren Durst löschen - sonst könnten wir auch Käse rezensieren - aber geht es nur um den Durst? Schwerlich, sonst könnten wir uns einfach endlich bei den Stadtwerken anmelden.
Die Schattenseite ist, dass man von Bier einfach nicht betrunken wird. Wenn man am Ende des Abends nicht mehr weiß, wie oft man auf dem Klo war, so liegt es bei Bier nicht daran, dass man zu betrunken war, sondern dass man einfach 95% farbiges Wasser in sich hineingekippt hat.
Mein Fazit lautet daher: "Kilkenny" und alle Ales, Stouts, Ober- oder Untergärungen und alle anderen Malzgetränke, die nicht dreimal destilliert wurden, sind keine Alternativen zum Sommerrosé. Das bedeutet nicht, dass beides nicht Hand in Hand gehen kann. Ich persönlich empfehle den Sommerrosé für den Tag und das Ale für den Morgen danach. Natürlich nur an Sonn- und Feiertagen ... denn Sie wissen ja: Trinken Sie verantwortungsvoll! (9)

Snobfaktor: 31.75

Prollfaktor: 11.11

Montag, 4. Mai 2009

Malumbres Navarra Rosado (Spanien, Garnacha)

%Vol: 13,5
Preis (je 0,75l): 3.99 (ebrosia)
Tastingtermin: 04.05.
Tastingmaster: André


Wider den Discountern - das ebrosia-Experiment (Teil 3): 5 Rosé unter 5 Euro vom Online-Fachhändler!

Nase: Etwas intensiver als meine bisherigen Rosé kommt der Malumbres mit einer schönen fruchtigen Süße daher. Irgendwie erinnert der mich an Himbeerkaltschale. (2)

Körper: Fruchtig-frisch, das Bild "lecker Kaltschale im Hochsommer" bleibt, die Süße bindet sich schön ein. (8)

Abgang: Der Abgang trägt die Frische sehr schön weiter, ganz zum Schluss kippt er minimal in's Bittere, wird aber durch die umfassende Süße kompensiert. (2)

Fazit: Na das nenne ich mal ein rundum gelungenes Gesamtpaket. Ein toller Sommer-Rosé mit allem was man braucht: Frische, Fruchtigkeit, dezente, nicht aufdringliche Süße und 13,5vol% (das hebt den Proll-Faktor beträchtlich)! Davon darf's auch gern ein Karton mehr sein- leider ist der Malumbres Navarra Rosado aber im Augenblick nicht mehr lieferbar... (12)

Snobfaktor: 20.05

Prollfaktor: 16.92

Sonntag, 3. Mai 2009

Châteu de La Puède, 2007 (Frankreich)

%Vol: 12,5
Preis (je 0,75l): 3.50 (Rossmann)
Tastingtermin: 03.05.
Tastingmaster: Marian, Sebastian

Nase: Hier haben wir eine ausgewogene, milde Fruchtigkeit, leicht und angenehm. Es ist etwas zu flüchtig für die Maximalnote, aber doch sehr sommerlich mit wohltuend leichter Süße.
Man kann das gern als Spätfolgen eines jahrelangen, übertriebenen Alkoholkonsums und der damit verbunden völligen Verätzung der Geruchssinneszellen abtun, aber - meine Damen und Herren - ich bekomme hier die Idee des typischen Geruchs eines Blended Scotch mit. Damit meine ich Schuhputzmittel wie "Johnny Walker", aber auch akzeptable Trinkwhisky wie "Famous Grouse" oder "Macallan". Ich gebe frei zu, dass dies ziemlich abwegig klingt, aber wir sollten eines: nämlich die spirituell-religiöse Komponente eines Weintastings nicht vergessen: Nämlich dass Er, der große J., aus Wasser Wein gemacht hat. Und das bedeutet weiter: er konnte aus Wasser alles machen. Also auch Wein mit Whiskyaroma. Man denke mal nach darüber... (1)

Körper: Man verspricht uns auf dem Etikett ein "Blumenbeet" ... wir haben offengestanden noch nie eins gekostet, aber wenn man damit den Geschmack eines dünnen, fast wässrigen Rosé meint, stimmen wir zu. Nun, bleiben wir fair: Es ist ein schöner, sehr frischer Wein, mal nicht charakteristisch im Sinne von StehtzwarRosédrauf-schmecktabernachsonstwas, sondern ehrlich, leicht und sommerlich. Nur eben vielleicht eine Spur zu leicht. Lässt man ihn auf der Zunge zergehen, deutet sich ferner eine leichte Öligkeit an. (7)

Abgang: Der Abgang ist hier ganz hervorragend. Er entschärft alles, was sich auch nur ganz leicht als Bitterkeit im Geschmack andeutet, hat einen vollen Charakter, der beinahe eigenständig wirkt im Vergleich zu dem luftigen Körper. (3)

Fazit: "La Puède" ist ein guter Sommerrosé für all die Mädchen, die's gern besonders leicht mögen. (11)

Snobfaktor: 20.95

Prollfaktor: 17.86

Samstag, 2. Mai 2009

Lamberti Santepietre, 2006 (Italien, Bordolino Chiavetto)

%Vol: 12,0
Preis (je 0,75l): 3.99 (AKTIV-Discount)
Tastingtermin: 02.05.
Tastingmaster: Marian, Sebastian

Nase: Erdbeeren, leichtes Aroma, frisch, fruchtig ... Frühling ... fein! (2)

Körper: Im Geschmack ist der Gute durchaus ausgewogen, spritzig mit einem leichten Eindruck von Kohlensäure. Er macht sich sicherlich gut für heiße Sommertage, wenn es nicht allzu schwer sein darf. Wenn man ganz aufmerksam schmeckt, drängt sich im Hintergrund eine ganz leicht phenolische Note dazwischen. (7)

Abgang: Der "Lamberti Santepietre" hat in seinem Abgang etwas von dem eines allzu ungestümen Koitus: Er ist schnell vorüber, ihm folgt eine kurze Pause, der sich deutlich spürbare Bitterkeit anschließt. Er holt aus dem Körper nicht mehr raus als das Nötigste und macht daher einen eher überflüssigen Eindruck ... die Analogie ist übrigens schon zuende. (0)

Fazit: Versucht man sich auf einem Gebiet zu orientieren, mit dem man (noch) nicht hinlänglich vertraut ist, so bietet es sich an, sich an jene Dinge zu halten, die man zumindest entfernt kennt. "Lamberti Santepietre Merlot" ist Sebastians erklärter Lieblings(rot)wein und so ist es nicht nur ein pragmatischer Schritt, sondern beinahe eine moralische Verpflichtung, den Rosé-Ableger dieses Hauses in die Mangel zu nehmen. Es wäre falsch zu sagen, dass dieser ein schlechter Tropfen sei. Wenn man sich schon die Mühe macht, den Geschmack eines vergorenen Traubenwassers in drei Aspekte zu zerlegen, darf man dann nicht böse werden, wenn einer davon mal nicht stimmt. Was ich sagen will ist Folgendes: "Lamberti Santepietre Rosé" ist kein schlechter Wein. Nur der Abgang ist übel. Das ist wie, wenn man bei CounterStrike vergessen hat, das "C" für den Funk zu drücken, dann mit "3" eigentlich "Need Backup" sagen will, aber stattdessen die - sagen wir: MP-5 gegen das (zugegebenermaßen wohldesignete, aber doch gegen eine - sagen wir: AK-47) unnütze Messer tauscht: Die Situation ist anfänglich eigentlich gar nicht so aussichtlos, doch durch einen kleinen Makel kippt sie und wird so richtig berstig...
Ich sollte dringend mit diesen Vergleichen aufhören.
Zum Punkt: "LSR" wäre ein guter Rosé, wäre da nicht der Abgang. Und man kann vieles verschmerzen, doch nicht den letzten Eindruck. Im Grunde wäre sogar ein schlechter Körper besser als ein lausiger Abgang, denn wenn man das Gespräch unterbricht, um das Glas zum Mund zu führen, kann man doch die Übelkeit anfangs unterdrücken, doch will mit ihr nicht das Gespräch weiterführen müssen. Auch, wenn es ein Selbstgespräch ist... Cheers! (9)

Snobfaktor: 15.04

Prollfaktor: 15.04

Torre Castillo 'Jumilla' (Spanien, Monastrell)

%Vol: 13,0
Preis (je 0,75l): 5.50 (Casa Olala)
Tastingtermin: 02.05.
Tastingmaster: Marian, Sebastian

Nase: Schon die Nase macht spürbare Andeutungen, dass wir es hier mit einem Rosé zu tun haben, mit dem man einen haarigen, kneipenschlägereigewohnten, dem Neandertaler noch nah verwandten Hamburger Hafenarbeiter erschlagen könnten. Es ist ein derart schwerer Geruch - getragen von sehr intensivem Beerenaroma -, dass man bei der sich andeutenden Süße beinahe eine Substanz erwartet, mit der Robinson Crusoe seine Hütte hätte zusammenleimen können. Alles in allem also kein prinzipiell schlechter Start, bedenkt man, dass das wirklich eine Spannung aufbaut, wie das Gebräu denn nun schmeckt. (1)

Körper: "Intensiv" ist wohl das richtige Attribut, um den "Torre Castillo" zentral zu beschreiben. Die erahnte Süße kommt spürbar zum Vorschein, er ist wirklich sehr schwer, extrem beerig, viel zu hart ... und es ist gar nicht einzusehen, sich hier mit Komparativen zu begnügen: Für einen Rosé ist er das Schwerste, Beerigste und Härteste, was man sich vorstellen kann. Der "zieht einen richtig runter" (Sebastian).
Stellt man sich das typische Schorlenschema etwa so vor, dass der Wasseranteil das jeweilige Produkt geschmacklich wie gehaltsmäßig entschärft (man also bspw. bei einer Rotweinschorle die Tore zum literweisen Konsum von dem geliebten Château d'Amour, Bordeaux rouge, Manifique avec Verre
öffnet, sich bei einer Weißweinschorle auch nach sieben Schoppen noch guten Gewissens selbst hinters Steuer setzen kann und bei einer Roséschorle so etwas herauskommt wie ... sagen wir: einen Grand Sud Merlot Rosé), dann ist der "Torre Castillo" die Mutter aller Rotweinschorlen! Ich sehe es bildlich vor mir: Da saßen die großen Köpfe in Jumilla fröhlich im Kreis, randvoll mit dem guten, selbstgebrauten Monastrell, und fragten sich, wie sie ihr Produkt, bei dem man sich in der originalen Rotweinvariante fühlen muss, als wäre man mit einem Johannesbeerstrauch penetriert worden, auch schon vormittags konsumieren könnten. Und die Lösung hieß ganz einfach: "Vino rosso con aqua" (was man in Fachkreisen dann auch "Vino rossado" nennt).
Es wäre unangemessen, ihnen das so richtig übel zu nehmen; zumal ich, am späten Abend in einem ähnlichen wie dem eben imaginierten Zustand allein am Lagerfeuer schon meine Freude an diesem etwas kräftigeren Tropfen fand; nachdem ich mir den Tag mit dem einen oder anderen leichteren Rosé vertrieben hatte. Alles in allem ist das kein schlechter Wein, das Faszinierende ist sogar, dass es sich um einen wirklich schweren Rosé handelt, der aber nicht gleich an Port oder Sherry zu erinnern anfängt. Ein etwas spröder Charakter, liebenswert wie ein behindertes Kind in der obligatorischen, allweihnachtlichen Spendenkampagne der "Caritas".
(6)

Abgang: Ich habe je eigentlich keine Ahnung von Wein, und bestimmt ist es irre schwer, einem schweren Wein einen kontrollierten Abgang folgen zu lassen. Zuviel Mitleid wollen wir dafür aber doch nicht aufkommen lassen, und daher gibt es für diesen Abgang, der doch spürbare Bitterkeits- und Säurenoten aufweist, keine Gnade. Während er ausklingt, hält das Ganze noch recht gut mit dem zentralen Aroma zusammen, beim letzten Auslaufen bleibt allerdings nur noch Säure. Ein bitteres Ende, was einen große Dankbarkeit dafür empfinden lässt, dass wir diese Flasche nicht selber bezahlt haben. (0)

Fazit: Diese Flasche war eine freundliche Spende von Sebastians Ma und das bedeutet zwei Dinge: Erstens hat sie einen guten Weinhändler, denn der hat für ihren zu schweren und kräftigen Rotweinen neigenden Geschmack den angemessenen Rosé herausgesucht. Zweitens erfüllt der Wein daher zwar das erste Kriterium unserer Suche nach dem perfekten Sommerrosé nicht: unentwegte Trinkbarkeit bei übernatürlicher Qualität; aber dafür das zweite um so besser: minimalen Einkaufspreis.
Der "Torre Castillo" sei daher all jenen empfohlen, die sich aus ideologischen Gründen im Sommer nicht an Rotwein vergreifen, sich ihren winterlichen Genuss trotz Hitze und Durst aber nicht nehmen lassen wollen; jenen, denen auch in den Tropen nicht einfallen würde, sich Wein einzuschenken, durch den man durchschauen kann; jenen, denen sich das Wort "Sommerrosé" zwar orthographisch erschließt, die ihm aber einfach keine Bedeutung abringen können. Wenn Sie also zu denen zählen, stellen Sie sich eine, nur eine einzige Frage: Was zur Hölle suchen Sie in diesem Blog?? (7)

Snobfaktor: 8.48

Prollfaktor: 11.82

Freitag, 1. Mai 2009

Lurton Rosé de Syrah ´Les Bateaux´ (Frankreich, Syrah)

%Vol: 12,5
Preis (je 0,75l): 4.99 (ebrosia)
Tastingtermin: 01.05.
Tastingmaster: André


Wider den Discountern - das ebrosia-Experiment (Teil 2): 5 Rosé unter 5 Euro vom Online-Fachhändler!

Nase: Fruchtig-frisch, so muss ein Rosé riechen. (1)

Körper: Lecker kalt, frisch und fruchtig. Als Aroma fixieren kann ich rote Johannisbeere. Ein minimales prickeln auf der Zunge, sehr gefälliger Sommerwein... (7)

Abgang: Der Abgang ist ganz nach meinem Geschmack: Trocken, trotzdem erfrischend, eine leichte Astringenz hinten raus. Sehr schön! (3)

Fazit: Ein gefährlich guter Terassenwein. Lecker, fruchtig-frisch, nix alkoholisches, dafür aber sehr erfrischend. Bei weitem nicht so komplex wie der ebrosia-Nr.1-Tempranillo-Rosé, dafür aber ein spritziger Begleiter zu gegrilltem Geflügel oder einfach so, zum Wegschlabbern auf dem Balkon, an heißen Sommertagen. (11)

Snobfaktor: 14.70

Prollfaktor: 12.53