Mittwoch, 13. Mai 2009

bree Rosé, 2007 (Rheinhessen, Pinot Noir)

%Vol: 12,0
Preis (je 0,75l): 3.99 (REWE)
Tastingtermin: 13.05.
Tastingmaster: Marian

Nase: Auch auf die Gefahr, mich in meiner Wortwahl zu wiederholen: Kaum vorhanden. (0)

Körper: Nun, der "bree" hat einen relativ schweren Geschmack, tendierend zu den Aromen von Johannesbeeren und Zitrone. Das Ganze ist allerdings unterlegt mit einer spürbar bitteren Note und die Säure ist in der Kombination dazu ausgesprochen unangenehm. Nein, das ist kein schöner Rosé, weder für den Sommer noch für dessen Nächte, noch für den Herbst oder Frühling oder jedwede denkbare interstellare Jahreszeit. Zur Ehrenrettung muss man ihm zugute halten, dass er zumindest ein gewisses Aroma hat, also nicht wässrig ist, dieses aber geschickt hinter einer Wand von saurer Bitterkeit zu verstecken weiß. (4)

Abgang: Über den Abgang mag ich eigentlich nicht viele Worte verlieren. Wie die meisten aromatischen Krüppel setzt sich beim "bree" im Abgang nur eine Bitterkeit fort, die gottseidank nicht zu langanhaltend ist. (0)

Fazit: Nun, entgegen einiger wesentlich talentierterer, erfahrenerer und kundigerer Weintrinker als mir, bin ich ein großer Freund von Drehverschlüssen an Weinflaschen (spätestens seit ich meinen letzten Korkenzieher mitsamt meinem Tabak und vermutlich meiner analen Unschuld - nennen wir es: nicht mehr ganz nüchtern - auf dem Heimweg von einer Feierlichkeit verloren habe). Ich bin auch ein Freund schöner Flaschen, in der selben Weise ich ein Freund schöner Frauen bin. Wenn sie sich einem schon öffnen, dann ist das Letzte, was man will, dass man vor lauter Enttäuschung dabei an all die wesentlich weniger schönen, aber wesentlich besseren denken muss. Ich neige daher dazu, für den "bree Rosé" eine neues Label (zu meiner Zeit nannte man sowas eine "Kategorie" ... naja) einzuführen: Die der "Enttäuschung des Jahres"!
Ich meine, was denken sich die Rheinhessen bitte? Packen ihren übelsten Fusel in eine schöne Flasche, verlassen sich auf einen halbwegs guten Ruf als Weinbauern und glauben, der Rest der Republik geht dem auf den Leim?? Für eine Bande von Barbaren, die nicht richtig geradeaus Deutsch sprechen können, ist das zugegebenermaßen ein ausgesprochen ausgeklügelter Plan... Und ja, vielleicht nicht der Rest der Republik, aber Trottel wie ich.
Wieauchimmer. Da ich trotz allem immer noch von der Flasche angetan bin, möchte ich dennoch eine Empfehlung aussprechen: Wenn Sie eine schöne Bar haben, hinter Glas, getaucht in güldenes Licht, die einen mit einem eigenen, handgestrickten Deckchen unterlegten "Black Bowmore" von 1964 und einen noch im Originaltonkrug befindlichen, von professionellen Abenteurertauchern geborgenen Wein aus der Zeit des späten Hellenismus enthält, und wenn Sie trockener Alkoholiker oder Antialkoholiker aus Überzeugung sind und mit dieser Bar nur Ihre Freunde beeindrucken oder Ihre ästhetischen Bedürfnisse befriedigen wollen, dann und nur dann kaufen Sie sich den "bree Rosé". (4)

Snobfaktor: 6.68

Prollfaktor: 15.04

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