Freitag, 8. Mai 2009

Kilkenny (Irland, Red Ale)

%Vol: 4,2
Preis (je 0,75l): 1.89 (REWE)
Tastingtermin: 08.05.
Tastingmaster: Marian


Alternativen zum Rosé

Nase: Sieht man diese einladende, dunkelrote, leicht bronzene Farbe, die trotz des leichten Schaumes auf dem Kopf äußerlich das entscheidendeste Merkmal ist, freut man sich auf das Urteil des nächsten Sinnesorganes. Das ist aber weniger beeindruckt. Die Nase hat ein spürbar malziges Aroma, mehr auch nicht; nichts, was man irgendwie mit Sommer assoziieren würde. (0)

Körper: Spürbar prickelnd und dennoch von robuster Gestalt ist "Kilkenny" ein hervorragend erfrischendes Getränk. Man fühlt sich nicht so leer, wie wenn man sich mit Wasser den Durst löscht, und nicht so durstig, wie wenn man ... nun ... naja, man fühlt sich königlich entdürstet. Nein, jetzt habe ich doch noch was: Es schlägt einen nicht so nieder wie ein "Guinness", nach dem man sich ob der Schwere und Süße immer noch den Durst löschen muss ... mit einem "Kilkenny" beispielsweise. Im Mund behalten und etwas herumgewälzt spürt man etwas wie eine entfernte Weinbrandnote, mit der eine leichte Holzigkeit mitschwingt. (8)

Abgang: Hintenraus ist "Kilkenny" sehr präsent. Es hinterlässt einen leicht bitteren, im Vergleich zu Rosé schweren Geschmack im Mund, dem in den letzten Noten wieder Malzigkeit anhaftet. Das ist nicht zu verurteilen, wertet aber den doch sehr angenehmen Körper nicht weiter auf. (1)

Fazit: Was ich am "Kilkenny" mag, ist, dass es einen meiner Ansprüche zur Perfektion erfüllt: Man kann es den ganzen Tag trinken, ohne ihm überdrüssig zu werden. Das muss man auch, schließlich braucht man die dreifache Menge Ale, um im selben Umfang Alkohol konsumiert zu haben wie bei einem Rosé. Außerdem mag ich, dass es einen nicht mit diesem auf Weinflaschen mittlerweile allgegenwärtigen diskreminierenden Symbol für "Nixfürschwangere" belästigt, sondern höflich darauf hinweist, verantwortungsvoll zu trinken. Man kann am nächsten Tag, wenn man die Pfandflaschen in der Wohnung oder im Garten zusammensucht und sich darüber freut, am Ende noch Geld herauszubekommen, weil man trinkt, sich problemlos ein neues aufmachen ohne dass einem schlecht wird: Es ist ein hervorragender Frühstücksdrink (ich empfehle zu einem kräftigen irischen oder englischen Frühstück ... oder einfach einem Steak!) - und da habe ich auch die Fachmeinung von Oz Clarke hinter mir. Das vermögen wenige Rosé.
Allerdings hat "Kilkenny" auch eine böse Schattenseite und die zeigt sich nicht zuletzt in dem erbärmlichen Prollfaktor. Es ist die Schattenseite, die wohl so ziemlich allen Bieren anhaftet.
Denn mal ehrlich: natürlich geht es uns um den Geschmack - sonst müssten wir hier ja gar nicht rumrezensieren - aber geht es uns nur um den Geschmack? Schwerlich, sonst würden wir wie die echten Kenner ja den Wein wieder ausspucken.
Und natürlich: Wir wollen unseren Durst löschen - sonst könnten wir auch Käse rezensieren - aber geht es nur um den Durst? Schwerlich, sonst könnten wir uns einfach endlich bei den Stadtwerken anmelden.
Die Schattenseite ist, dass man von Bier einfach nicht betrunken wird. Wenn man am Ende des Abends nicht mehr weiß, wie oft man auf dem Klo war, so liegt es bei Bier nicht daran, dass man zu betrunken war, sondern dass man einfach 95% farbiges Wasser in sich hineingekippt hat.
Mein Fazit lautet daher: "Kilkenny" und alle Ales, Stouts, Ober- oder Untergärungen und alle anderen Malzgetränke, die nicht dreimal destilliert wurden, sind keine Alternativen zum Sommerrosé. Das bedeutet nicht, dass beides nicht Hand in Hand gehen kann. Ich persönlich empfehle den Sommerrosé für den Tag und das Ale für den Morgen danach. Natürlich nur an Sonn- und Feiertagen ... denn Sie wissen ja: Trinken Sie verantwortungsvoll! (9)

Snobfaktor: 31.75

Prollfaktor: 11.11

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